Was das Zähmen innerer Drachen mit guten Paarbeziehungen zu tun hat

Warum wir keine Prinzen brauchen – sondern ehrliche Kommunikation, kritische Selbstreflexion und ein bisschen feministischen Feuer

Hast du dich je gefragt, warum in so vielen Geschichten ein Prinz auftaucht, der eine Prinzessin vor einem Drachen rettet?

Psychologisch betrachtet ist das kein Zufall. Es erklärt auf charmante Weise, warum manche Beziehungen funktionieren - oder grandios scheitern.

Der „Prinz-Komplex“ - kein eigenständiges Krankheitsbild, aber ein Klassiker in der Paartherapie

Der „Prinz-Komplex“ beschreibt Männer, die ihr Selbstwertgefühl daraus ziehen, immer stark, kompetent und unerschütterlich zu wirken. Er ist der Typ: „Schatz, ich bau dir ein Regal, erkläre dir die Welt - aber bitte frag nicht nach meinen Gefühlen.“

Emotionale Verantwortung? Schwierig. Sie macht verletzlich. Und genau das wurde in seiner Biografie oft nie richtig gespiegelt:

Vielleicht wurde der junge Prinz von einer Großmutter großgezogen, die zwar liebevoll war, aber aus einer Zeit kommt, in der Jungs vor allem „tapfer“ zu sein hatten. Die Eltern mussten arbeiten, der Junge war viel auf sich gestellt. Kinder denken nun mal egozentrisch. So entsteht das verzwickte innere Skript:
 „Ich muss stark sein. Und wenn ich nicht stark bin, verliere ich meinen Wert. Ich bin irgendwie der Prinz… aber irgendwie auch nicht wichtig.“

Wenn er später von einer Partnerin hört: „Du… das passt für mich nicht“, erlebt er das nicht als ehrliche Mitteilung, sondern als Angriff auf seinen fragilen Selbstwert. Zack - Kampfmodus. Drache!

Das Fräulein in Not - oder: Die Kunst, sich selbst zu übergehen

Prinz trifft Fräulein in Not. Klassische Märchenpaarung. 
Sie ist jemand, die gelernt hat, ihre eigenen Bedürfnisse herunterzuschlucken, um Harmonie zu sichern. Sie ist Meisterin darin, Dinge zu tun, die sich leicht falsch anfühlen - aber die den anderen glücklich machen.

Er: „Ich gebe mein Bestes als starker Mann!“

Sie: „Ich gebe mein Bestes als angepasste Frau!“

Und beide: „Irgendwie fühlt es sich trotzdem… komisch an.“

Denn keiner fragt: Was brauche ich eigentlich wirklich?

Bedürfnisse verschwinden nicht - Sie schlummern.

Unerfüllte Bedürfnisse sind wie alte Drachen, die in den Tiefen der Persönlichkeit ruhen.
Sie sind nicht weg. Sie schnarchen nur laut - man läuft vorsichtig um sie herum, um sie bloß nicht zu wecken. Vielleicht macht man so weite Bögen um sie, dass man irgendwann glaubt, es gebe sie nicht mehr.

Und ja: Zu leinen seine Bedürfnisse bewusst wahrzunehmen und wahrhaftig für sie einzustehen fühlt sich manchmal an wie den Drachen zu schubsen. 
Es ist fast leichter, sich an ungestillte Bedürfnisse zu gewöhnen, als ehrlich mit sich zu sein, einen Missstand nicht mehr schön zu reden und zu lernen, diese Bedürfnisse zu stillen.

Wie soll das gehen, sich verletzlich zeigen? Wozu soll das denn gut sein?
 Wie soll das denn gehen, für sich einstehen? Das bringt nur Streit!

Aber wenn Bedürfnisse durch Ersatzhandlungen gestillt werden könnten, dann wäre da nicht dieses nagende Gefühl von „da fehlt doch was“. Wenn Bedürfnisse nach langem Ignorieren verschwinden würden, dann würde all das Rittertum und Fräulein-dasein doch dazu führen, dass eine Zufriedenheit gefühlt werden kann.

Die innere Stimme - brutal ehrlich und absolut notwendig

Wenn du deine innere Stimme weckst, sagt sie Dinge wie:

  • „Ich brauche Nähe.“

  • „Ich brauche Autonomie.“


  • „Ich brauche Wertschätzung.“


  • „Ich brauche, dass du aufhörst, mir Regale zu bauen und stattdessen sagst, was du fühlst.“

Unsere innere Stimme kann auch mal laut sein. 
Fauchen. Feuer spucken.
 
Und das ist nicht immer angenehm, aber gut so.

Denn erst wenn wir uns selbst akzeptieren - auch die „doofen“, wütenden, traurigen, „peinlichen“ Anteile - kann echte Verbindung entstehen.
 Grenzen sind kein Drama. Sie sind gesunde Beziehungspflege.
 Viele Fräuleins und Ritter dürfen umlernen: Abgrenzung ist keine Ausgrenzung.

Warum ein befreundeter innerer Drache dich zu einem besseren Partner, einer besseren Partnerin, macht

Ein Drache, der gehört wird, muss nicht toben. 
Ein Bedürfnis, das ernst genommen wird, verwandelt sich nicht in Vorwürfe, Passiv-Aggression oder beleidigtes Schmollen.

Deinen inneren Drachen zu zähmen bedeutet:

  • Verantwortung für die eigenen Bedürfnisse übernehmen

  • Verletzlichkeit zulassen

  • Beziehung nicht als Bühne für Heldentaten, sondern als Ort gegenseitiger Co-Regulation sehen

  • Nicht hauchen, wenn man eigentlich fauchen will: "Ich will dich, mit all deinen starken und sanften Seiten - ohne Rüstung!"

  • Nicht brüllen, wenn ein klares „Nein“ gereicht hätte

Das Drachenfeuer der Liebe

Wenn beide Partner lernen, sich selbst zu regulieren und authentisch mitzuteilen, was sie brauchen, passiert Magisches:

Keiner muss gerettet werden.
 Keiner spielt Held oder Opfer.
 Und Liebe wird nicht zu einem höflichen Arrangement, sondern zu einem kraftvollen, warmen Feuer.

Also:

Wecke deinen inneren Drachen.
 Hör auf deine Bedürfnisse. 
Benenne sie klar und deutlich - nicht im Flüstermodus.

Denn echte Intimität entsteht nicht durch das Spielen von Rollen - sondern durch mutige Echtheit.
 
Und wer weiß: Vielleicht brüllt ihr am Ende gemeinsam euer Glück in die Welt hinaus.
 
Mit Feuer - dem, das wärmt ohne zu zerstören.

Zurück
Zurück

Burnout vorbeugen? Oder lieber verstehen, wie Erholung tatsächlich funktioniert